Herab durch das obere Zipfelbachtal

Zu Beginn unserer Veranstaltungsreihe „Grüne Spaziergänge: Zipfelbach“ beschritten wir am Samstag, den 22.08.2020, die erste Etappe des Zipfelbachs und wanderten zusammen mit fachkundigen Mitwandernden der Ortgruppe Winnenden des Naturschutzbundes (NABU) und unserer Landtagskandidatin Swantje durch das obere Zipfelbachtal von Breuningsweiler nach Winnenden.

Während morgens noch Donner über die Dächer der Stadt fegte, klarte das Wetter rechtzeitig zu unserem grünen Spaziergang wieder auf. 15 wanderlustige Bürger und Bürgerinnen, Mitglieder von uns Grünen, Freunde und Freundinnen, Naturschützerinnen und Naturschützer trafen am Bahnhof zusammen mit Ingrid, Jasmin und Daniel aus unserem Vorstand und unserer Landtagskandidatin Swantje zum ersten grünen Spaziergang unserer Reihe „Grüne Spaziergänge: Zipfelbach“ zusammen.

Mit Maske stiegen wir alle zusammen in den Bus, der uns an den Ortsrand von Breuningsweiler brachte. Jemand meinte und lag damit wohl nicht ganz falsch, dass so eine Auslastung eines 14 Uhr Busses nach Breuningsweiler wohl eher ungewöhnlich sei. Unverständlicherweise, denn der Bus bringt einen ganz bequem in 15 Minuten dorthin und es liegt eine wunderschöne Route durch den wohl wertvollsten Naturraum, den Winnenden zu bieten hat: Das Zipfelbachtal. Die Strecke ist, wenn man nicht wie wir so eine tolle fachkundige Begleitung und viele Zwischenstopps hat, ein Weg, der ca. 1-2 Stunden benötigt und sich so hervorragend als Nachmittagsspaziergang eignet.

Wer Herrn Schlüter kennt, der weiß, dass jeder Spaziergang mit ihm auch eine naturkundliche Führung und ein außergewöhnliches Erlebnis ist. Nach einigen Metern entlang von Obstgrundstücken bogen wir zum ersten Mal vom dem gut ausgebauten Feldweg auf einen Schotterweg ab, der uns zu einem der Betreuungsgebiete des NABUs brachte: Den Gemeinen See. Der Blick von hier oben auf den Ortsteil Hanweiler ist einer dieser seltenen Blicke in unserer dicht besiedelten Umgebung, der erahnen lässt wie die Gegend vor langer Zeit war. Gegenüber sind ebenfalls unter Naturschutz stehende Gebiete. Die Geschichte des Schutzgebiets begann bereits in den 80er-Jahren als ein Gymnasiallehrer mit seinen Schülern begann die Biotope zu pflegen. Wir lauschen den lehrreichen und unterhaltsamen Ausführungen gespannt und erfahren vieles über die heimische Pflanzenwelt und was das Naturschutzgebiet so wertvoll macht.

Ein kleiner Halt an einem der ausgewiesenen Naturdenkmäler, eröffnet den Blick auf die darunter liegenden Gesteinsstrukturen, das rötliche Leuchte der bunten Mergel des mittleren Keupers schimmert hinter jungen Bäumen und Sträuchern. Hier rede man wohl über einen Hochzeitsplatz, aber das sei noch sehr vage. Mehr Pflege könnte aber manches Naturdenkmal gebrauchen. Es gebe Pflegepläne, aber öffentlich sind diese wohl nicht und so wissen oft die ehrenamtlichen Naturschützer nicht, welche Pflegemaßnahmen gemacht werden sollen seitens der Naturschutzbehörden. Sollte man hier mehr Transparenz haben? Fragen des Umweltschutzes sind oft auch lokalpolitische Themen.

Wir erfahren auch, dass der Naturschutzbund in Winnenden schon mehr als hundert Jahre existiert, die Gründung war irgendwann zwischen 1906 und dem 01.01.1908, pragmatisch wie man im Schwabenland ist, wählte man zur Hundertjahrfeier eben das Jahr 2007. Pragmatismus begleitet uns auch auf unserem nächsten Halt, ein kleiner Weiher in der Kurve, der noch unscheinbar im Wald liegt und die Pflanzen erst beginnen ihn zu erobern, auf der anderen Seite ist beinahe kein Wasser mehr zu sehen. Verunreinigtes Wasser wird durch Rohre direkt zur Kläranlage abgeleitet, weil durch alte Müllablagerungen hier Verunreinigungen entstanden seien. Die Wasserqualität im Tal sei nun gut, doch man entnimmt dem Bachlauf Wasser, das er eigentlich braucht und so führt eine dieser Quellen oder Zipfel, die dem Zipfelbach ihren Namen gaben, kaum Wasser.

Überhaupt wird viel über ökologische Zusammenhänge geredet und auch welche Herausforderungen der Klimawandel auf unsere Natur hat und wie sensibel diese darauf reagiert, sich aber auch anpasst. Doch manchmal muss man der Natur helfen. Die trügerische Schönheit des Indischen Springkrauts, einer aus Asien eingeschleppten Art, die sich vorwiegend an Gewässerrändern niederlässt, täuscht ein wenig vor den Gefahren, die sie birgt. Mit ihrem starken Wuchs verdrängt sie heimische Arten und verändert die Landschaft zu schnell, als dass sie sich selbst darauf einstellen kann. Hier hilft nur mähen. Die Mahd und wann und wie diese ausgeführt werden soll, ist ein wichtiges Thema, das die Naturschützer bewegt. Gerade nährstoffarme Wiesen, die viele seltene Pflanzenarten beherbergen, brauchen regelmäßig Pflege – in Gebieten, die der NABU betreut, aber auch auf den Naturdenkmälern, die die Gemeinde betreut. Mit zweiteren hapere es wohl manchmal ein wenig.

Im Tal angekommen bietet sich ein kleiner Abstecher zu einem verfallenen Wochenendgrundstück an, dessen Türe eingefallen ist und zwei schwere Stämme, die wohl erst vor kurzem gestürzt sind, blockieren den Weg hinein. Dennoch lohnt sich der kurze Weg auf dem schmalen, von Glockenblumen gesäumten Pfad an dem das Schimmern des Zipfelbachs durch Bäume, Brennnesseln und Farne mal mehr, mal weniger deutlich zu sehen ist.

Nach dem Waldweg begrüßen uns in der Ebene wieder Sonnenstrahlen und zu unserer Rechten liegt ein weiteres Betreuungsgebiet des NABU: der Sonnenhang, der seltene Pilze, aber auch viele, seltene Orchideen zu seinen Bewohnern zählt. Links unseres Weges nach Winnenden liegen die Feuchtwiesen mit dem Gelbbauchunkenprojekt, das mit tatkräftiger Hilfe und Sponsoring der Firma Kärcher gepflegt werden kann. Dieses Jahr entfällt zu Bedauern der Fa. Kärcher und den Ehrenamtlichen des NABU die tatkräftige Hilfe leider wegen der Corona-Maßnahmen, so dass man einige Pflegemaßnahmen wahrscheinlich extern vergeben werde.

Bis zum Wunnebad geht es entlang des Tales, dessen Boden- und Feuchtigkeitsunterschiede ganz unterschiedliche Vegetationszonen entstehen lassen und ein abwechslungsreiches Naturerlebnis möglich machen. Der Weg gliche einer Autobahn, scherzt einer und tatsächlich auf der Ebene herrscht ganz unterschiedlicher Verkehr: Zweiräder, Stücklesnutzende, landwirtschaftliche Fahrzeuge, Spaziergänger und Spaziergängerinnen, die aber alle rücksichtsvoll miteinander zurechtkommen, selbst wenn es da auch Ausnahmen gibt. Es wird gegrüßt, eine schöne Sitte. Nun geht es entlang einiger renaturierter Gebiete an der Grenze des Bades, vorbei an den Rems-Murr-Kliniken zur linken und des ZfP Winnenden zur rechten. Wir folgen dem Weg, der an seinem Ende das Wohngebiet Toskana streift in die Innenstadt. Nachdem es am Ende auch warm genug war belohnen wir uns mit einem Eis – passend dazu im Eiscafé Toskana.

Vielen Dank vor allem an die fachkundige Führung durch Herrn Schlüter und die kompetente Begleitung durch Herrn Patrick vom NABU, die uns viel über die Sorgen des Naturschutzes, aber auch von der Vielfalt der Natur in unserem Gebiet erzählt haben und allen, die dabei waren, für die tollen Gespräche, Einblicke und Diskussionen. Im Naturgucker, dem Beobachtungsarchiv, das der NABU nutzt, können alle nochmal nachlesen, welche interessanten Pflanzen und Tiere uns auf dem Weg begegnet sind: https://www.naturgucker.de/?gebiet=270278681

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