In die Nachbargemeinden

Verwöhnt wie wir bisher von der ersten zwei Grünen Spaziergängen: Zipfelbach waren, zeigte sich das Wetter diesmal nicht mit Sonnenstrahlen. In leichtem Nieselregen begann der dritte der Teil unserer Spaziergänge diesmal am Rathaus in Schwaikheim. Doch trotz des etwas trüben Wetters fanden sich viele unserer Mitglieder und einige Gäste zusammen und durchquerten den Ort entlang des verdohlten Zipfelbachs. Anfangs kamen wir nur schleppend voran, auf dem Weg begegneten uns interessierte Anwohner und sprachen mit unserer Landtagskandidatin Swantje über grüne Politik, es wurde kritisiert und gelobt. Auch in Corona-Zeiten ist es wichtig, dass die politische Ebene ansprechbar ist und wie ginge dies besser als im Freien mit genügend Abstand? Online-Formate können die persönlichen Begegnungen ergänzen, aber nicht ersetzen. Ein offenes Ohr für unsere Bürger und Bürgerinnen muss man überall haben.

Futterwiesen im Zipfelbachtal

Am Ortsrand kamen wir vorbei am neu gebauten Asylbewerberheim auf das man zurecht stolz sein kann. Viele durch Krieg und Vertreibung in Not geratene Menschen finden hier ein friedliches Zuhause. Danach öffnet sich das in diesem Teil hauptsächlich durch landwirtschaftliche Nutzung geprägte Zipfelbachtal. Äcker, die entgegen des Gesetzes zur Neuordnung des Wasserrechts, beinahe bis an den Rand des Zipfelbachs reichen. Dass aber Landwirtschaft und Natur in vielen Bereichen voneinander profitieren, zeigt sich an den Ansitzen, die an manche Felder grenzen. Raubvögel wie Bussarde, Falken und Milane finden dort einen Beobachtungsplatz für ihre Jagd auf Kleinnagetiere wie die Feldmaus. Die Feldmäuse haben sich in den letzten Jahren stark vermehrt und stellen für viele Landwirte ein Problem dar. Auch in der konventionellen Landwirtschaft ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Biodiversität hoch ist und der natürliche Kreislauf erhalten bleibt um langfristig ertragsreiche und gesunde Böden zu sichern. Mit einfachen Maßnahmen wie Blühstreifen, Lerchenfenster und ausreichend dimensionierten Gewässerrandstreifen kann man hier vieles verbessern. Während der ersten Kilometer begleitete uns ein Rotmilan, der über unseren Köpfen schwebte.

Ein Teil unsere Gruppe

Der Weg ist immer ein gutes Stück vom Zipfelbach entfernt, er ist teils betoniert, teils geschottert. Ein Lückenschluss des Weges entlang des Baches könnte den Weg touristisch attraktiver machen und gleichzeitig mithelfen, die Gewässerrandstreifen ausreichend breit zu gestalten um auch dem Bach wieder mehr Raum zu geben. An einer kleinen Brücke erwartete uns Klaus Läpple, der Leiter des Waiblinger Umweltamts um mit uns über Maßnahmen aber auch Probleme bei der Umsetzung des Schutzes der Gewässerrandstreifen zu sprechen.

Schmale Ackerrandstreifen

Bei dem Thema stoßen die Interessen des Naturschutzes und der Landwirtschaft sehr deutlich aufeinander. Für die kommunale Verwaltung insbesondere für das Umweltamt ist die Vermittlung der Interessen beider nicht immer einfach. Mit kreativen Ideen, viel Überzeungungsarbeit und auch ein wenig Geduld kann dies aber gelingen wie uns Herr Läpple an einigen Stellen zeigt. Man kann Bauern und Bäuerinnen mit Förderungen des Landes für die Flächen entschädigen. Die landwirtschaftlich Tätigen, die zu Beginn der Programme noch skeptisch waren, konnten somit zum Teil überzeugt werden, die Bachufer mit Blühstreifen von der landwirtschaftlichen Nutzung zu trennen. Durch die Förderungen müssen sie keinen großen finanziellen Verlust fürchten. Herr Läpple, der selbst landwirtschaftlich tätig ist, kennt die Sorgen und Nöte der Landwirte und Landwirtinnen und versucht gemeinsam mit ihnen einen Weg für eine umweltverträglichere Landwirtschaft im Zipflebachtal zu finden, was teils gelingt, aber wo auch noch für die Zukunft Arbeit anliegt.

Gewässerentwicklungspläne Zipfelbach

So erzählte er uns wie schwierig auch manche Gesetzgebungen und Markterfordernisse es für die Bauern und Bäuerinnen machen. Bei einer zweiten Erne im Spätsommer lässt sich zum Beispiel nur über massiven Einsatz von Düngemitteln ein entsprechend hoher Proteingehalt des Getreides erreichen, den die Mühlen für die Weiterverarbeitung verlangen. Geringere Proteingehalte könnten die Felder und die Landwirte entlasten, aber wenn sie auf dem Markt nicht verkauft werden können, liegt eine schonendere Nutzung der Böden in weiter Ferne. Aber auch manche EU-Gesetze machen hier Probleme, die kleineren landwirtschaftlichen Betriebe in unserer Region profitieren nur wenig von den EU-Förderungen, die größtenteils rein nach Ackerfläche bezahlt werden. Zudem stellt das Verbot von vielen Neonikotinoiden für Landwirte und Landwirtinnen ein Problem dar. Die genutzen Alternativen sind oft nicht schonenderer zur Natur. Umso wichtiger ist es Fördergelder mehr nach Qualitätsrichtlinien, inbesondere ökologischer, und nicht nur nach Quantität auszurichten, damit man den Pestizid- und Herbizideinsatz senken kann und der Landwirtschaft gleichzeitig die Erträge abzusichern. Anhand der Gewässerentwicklungspläne erläutert uns Herr Läpple, welche Maßnahmen umgesetzt und was für die Zukunft noch geplant sei im Bereich des Zipfelbachs.

Broschüren der Stadt Waiblingen für den Naturschutz

Es waren spannende Einblicke wie ein aktives Umweltamt und engagierte Mitarbeiter an der Verbesserung der Ökologie arbeiten. Bei der Verabschiedung von Herrn Läpple am Ortsrand von Bittenfeld betonte er nochmal, dass es auch ihm persönlich ganz wichtig sei, bürgerliches Engagement und Interesse an der Arbeit der Verwaltung zu fördern. Auch wir finden: Die Offenheit von Herrn Läpple unsere Fragen zu beantworten und uns einen Einblick in die Arbeit des Umweltamts zu geben, ist absolut vorbildlich. So sieht aktive Unterstützung von Bürgerbeteiligung aus! Dafür vielen, vielen Dank!

Rückweg im Regen

Trotz des etwas kühlen Wetters gingen wir in einer kleinen Gruppe noch in ein kleines Eiscafé in Bittenfeld und diskutieren noch lange über Gewässerentwicklung, Umweltschutz, Artenvielfalt und natürlich auch dem immer größeren Flächenverbrauch. Einige unserer Gruppen beschritten auch den Rückweg zu Fuß, im stärker werdenden Regen waren Regenschirme erforderlich geworden. Vorbei an mit weißem Senf grüngedüngten Feldern und den Protestschildern für das neue Baugebiet Leimtelle II, ein kommendes Zeugnis des weiter steigenden Flächenverbrauchs, erreichte unserer Gruppe wieder Schwaikheim.

Proteste gegen das Neubaugebiet Leimtelle II

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