Podiumsgespräch zu den OB-Wahlen in Winnenden

Am 07.01.2026 hatte unser Ortsverband den amtierenden Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth zu Gast. Er kandidiert bei den Oberbürgermeisterwahlen am 25.01.2026 für eine dritte Amtsperiode. Unser Ortsverband hat daher die Möglichkeit genutzt, über seine Pläne für die nächsten Jahre zu sprechen, wenn er das Votum der Wählerinnen und Wähler erhält.

Nach der Begrüßung durch die beiden Vorsitzenden unseres Ortsverbands, Franziska Krämer und Daniel Baier, ging es direkt in die einzelnen Themenblöcke, die wir aus den Fragen unserer Mitglieder erarbeitet hatten.

Persönliches

Herr Holzwarth antwortete auf unsere Frage, ob Winnenden für ihn inzwischen Heimat sei mit einem klaren Ja und betonte seine Vergangenheit, die ihn als junger Mann bereits nach Winnenden geführt hatte. Das kurze Interesse an einer Kandidatur als Stuttgarter Oberbürgermeister habe sich für ihn schnell erledigt gehabt.

Ob er seine parteipolitische Tätigkeit als Mitglied des Kreistags und des Regionalparlaments ausreichend von seinem Amt als Oberbürgermeister trenne, war die nächste Frage. Er verstehe sich als Oberbürgermeister für alle Menschen in Winnenden und betonte, dass es auch bei den anderen Gremien um Zusammenarbeit mit anderen demokratischen Parteien gehe. Hier wies er auch darauf hin, dass es im Regionalparlament oft eine sehr konstruktive Zusammenarbeit zwischen CDU-Fraktion und Bündnis90 / Die Grünen gebe.

Unsere Landtagsabgeordnete Swantje Sperling hat sich als kommunalpolitische Sprecherin unserer Landtagsfraktion sehr dafür stark gemacht, dass die psychosoziale Betreuung von Amtsträgern ausgebaut wird, weil Drohungen und Anfeindungen zunehmen. Auch in Winnenden ist der Umgangston rauher geworden, bestätigt Herr Holzwarth und schildert, dass es auch Momente gab, in denen er sich selbst nicht sicher gefühlt habe. Konkret benennt er dabei ein Gespräch während der Pandemie mit den Kritikern der Corona-Maßnahmen. Er habe aber nie Zweifel an seinem Amt gehabt.

Wirtschaft, Finanzen, Klimaschutz

Bestehende Unternehmen in Winnenden zu halten und weiterzuentwickeln sei ihm sehr wichtig. Mit dem stadteigenen Verein „Attraktives Winnenden“ gelinge es die Innenstadt attraktiv zu halten. Dabei verweist er auf zahlreiche Neueröffnungen und einen verhältnismäßig geringen Leerstand. Wie er die Innenstadt 2034, also am Ende der nächsten Amtsperiode des Oberbürgermeisters sehen möchte, wollten wir wissen. Herr Holzwarth bestätigt unsere Einschätzung, dass sich die Innenstadt angesichts eines veränderten Konsumverhaltens mehr zu einem Aufenthalts- und Freizeitort entwickeln wird und eine hohe Aufenthaltsqualität der für ihn entscheidende Faktor für eine weiterhin attraktive Innenstadt ist.

Bei neuen Gewerbegebieten sei es natürlich auch eine Frage von Flächen, die nun mal endlich seien. Er kann sich daher eine Weiterentwicklung im Brühl oder in der Unteren Schray vorstellen, weist aber auch darauf hin, dass sehr große, neue Industriegebiete nicht möglich seien. Bei der Nachfrage, ob interkommunale Baugebiete für ihn infrage kämen, sieht er zwar noch kein konkretes, gewerbliches Projekt in Winnenden, ist aber durchaus offen für das Thema. Dabei weist er auch auf die geplante interkommunale Zusammenarbeit mit Schwaikheim beim Bauhof hin.

Schwieriger wird es bei den Fragen zur Winnender Finanzlage. Stadtbau und Stadtwerke haben hohe Schulden. Hier betont Herr Holzwarth, dass dem ja auch Investitionen, also Werte entgegenstehen, und diese Verbindlichkeiten über einen langen Zeitraum abgeschrieben werden. Dass die Stadt sparen müsse, stehe außer Frage, doch wo sieht Herr Holzwarth weiteres Einsparpotential, wollen wir wissen. Im Bereich Personal, entgegnet Herr Holzwarth schnell und weist auf die hohen Steigerungen in dem Bereich hin – sagt aber auch, dass die Tarifabschlüsse der letzten Jahre und der Ausbau der Kinderbetreuung die Hauptgründe für die Steigerungen seien.

Herr Holzwarth wirbt für eine „Klimapolitik mit Augenmaß“, das wollten wir dann doch genauer wissen. Er nehme die beschlossene Klimaneutralität für die Stadtverwaltung im Jahr 2035 sehr ernst und sieht Winnenden mit den Sanierungen der Bestandsgebäude (z.B. das Lessing-Gymnasium) auf einem guten Weg – dabei weist er auch auf das langfristige Sparpotential durch Klimaschutz hin. Allerdings sagt er auch, dass die Stadt lediglich ihren eigenen CO2-Ausstoß senken könne, die Klimaneutralität für ganz Winnenden auch eine Aufgabe der Gewerbetreibenden und der Privathaushalte sei.

Soziales, Bildung, Kultur, gesellschaftlicher Zusammenhang

Bei unseren Fragen zu sozialen Themen gab es zwei für uns sehr wichtige Aussagen des amtierenden Oberbürgermeister. Er stellt sich klar hinter das Konzept HaSoWo (Handlungskonzept Soziales Wohnen) um in Winnenden weiterhin für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. Trotz knapper Kassen und einer schwierigen Finanzlage will Herr Holzwarth die Schulsozialarbeit und die Mobile Jugendarbeit fortführen und wäre bereit zuerst an anderer Stelle zu sparen. Leider fällt aber hier als erstes das Wort Kultur. Um Winnenden insgesamt für Jugendliche freundlicher zu machen, setzt Herr Holzwarth auf die Beteiligung des Jugendgemeinderats, dabei weist er auf die Initiative des Rates zur Erstellung eines Kleinspielfeldes auf dem Kronenplatz hin, das auch breite Unterstützung aus der heimischen Wirtschaft erhielt.

Komplex ist die Situation rund um das Thema Einsamkeit, das uns auch im Ortsverband sehr beschäftigt. Herr Holzwarth nennt dazu viele verschiedene Projekte der Stadt und von Ehrenamtlichen, die hier helfen sollen. Als politischer Ortsverband war uns auch wichtig wie er die politische Beteiligung stärken möchte. Dabei verweist Herr Holzwarth auf die Schulen und die Vermittlung demokratischer Werte. Er meint, dass man Parteien wieder mehr als gestaltende Elemente der Kommunalpolitik sehen solle und nicht nur als „notwendiges Übel“. Herrn Holzwarth und uns bereitet der zunehmende Rechtsextremismus in Winnenden Sorgen. Auch hier sieht Herr Holzwarth Bildung als Schlüssel und weist auf die Erfolge durch Medienbildung am Lessing-Gymnasium hin. Aber hier seien ihm als Stadtoberhaupt auch Grenzen gesetzt. Solange eine Partei erlaubt ist, hat sie in vielen Bereichen dieselben demokratischen Rechte wie andere Parteien – selbst wenn diese erwiesen rechtsextremistisch ist.

Stadtentwicklung, Verkehr, Umwelt, Klimaanpassung

Der letzte Themenkomplex ist für viele von uns Grünen ein sehr wichtiger. Im Bereich Verkehr bezieht sich unsere Frage auf die Stärkung des Umweltverbunds, den sich die Stadt selbst gesetzt hat. Herr Holzwarth findet die Verbesserung des ÖPNV ist bereits gut umgesetzt, sieht aber noch große Schwächen beim Radverkehr. In den späteren Publikumsfragen kommt aber hier auch Kritik an den zu vollen Bussen vom Schelmenholz nach Winnenden in den Stoßzeiten des Schulverkehrs auf. Beim Ausbau der Radinfrastruktur sei er zwar nicht zufrieden, aber man müsse hier viele unterschiedliche Zielkonflikte, z.B. bei Parkplätzen, managen. Die Umsetzung der Rad-Infrastruktur auf der neugestalteten B14 ist für ihn ein gelunger Kompromiss zwischen den verschiedenen Verkehrsinteressen. Eine angemessene Parkraumbewirtschaftung in Winnenden schließt er zumindest nicht aus.

Bei zunehmenden Hitzeperioden bereiten sich viele Städte bereits mit unterschiedlichen Projekten darauf vor, das Mikroklima, z.B. mit Entsiegelungsprämien, zu verbessern. Herr Holzwarth betont, dass man das Programm 100 Bäume erfülle und konzentriert daran arbeite dieses Programm fortzuführen. Als konkrete Entsiegelungsmaßnahmen, die er sich in Zukunft vorstellen kann, nennt er den Bahnhofsvorplatz und das ehemalige Vereinsheim am Ortsrand von Winnenden (am Buchenbach auf dem Weg nach Höfen).

Unser Ortsverband setzt sich schon seit vielen Jahren für einen besseren Hochwasserschutz ein, aber auch nach dem Hochwasser im Jahr 2024 ist außer einer verbesserten Mess- und Warninfrastruktur noch nicht viel geschehen. Was in den nächsten Jahren passieren soll, fragen wir daher. Herr Holzwarth verweist auf die bereits erfolgte Einigung mit den Nachbargemeinden zum Zweckverband und auf fehlende Planungsdaten vom Regierungspräsidium, die bald vorliegen sollen. Dann könne das Thema endlich bearbeitet werden.

Die Naturentwicklung in Winnenden sieht Herr Holzwarth in erster Linie im Zipfelbachtal und möchte auch die Zusammenarbeit mit dem NABU in dem Bereich wieder stärken.

Fazit

Zuerst einmal danken wir Herrn Holzwarth für seine Gesprächsbereitschaft, die er nicht nur im Wahlkampf zeigt. So diskutierte er bereits 2019 mit uns in einem offenen Gespräch gemeinsam mit den Stadtwerken über die Sanierung des Wunnebads. Unsere in erster Linie finanziellen Bedenken zu dem Projekt wurden zwar nicht berücksichtigt, weil auch der Gemeinderat der Sanierung zugestimmt hatte, aber er war stets um den Dialog mit uns bemüht. Wir haben Herrn Holzwarth als inhaltlich von CDU-Programmatik geprägten Oberbürgermeister wahrgenommen, der in seinem Amt aber einen klaren Kurs der Kompromisse und des Gesprächs sowohl mit den Bürgerinnen und Bürgern als auch mit den politischen Mitbewerbern in der Gesellschaft und im Gemeinderat gesucht hat.

Positiv bewerten wir, dass er ein echter Demokrat ist, der zu seinen christlichen Grundwerten steht und auch die Schwachen und ganz besonders die benachteiligten Kinder und Jugendlichen im Blick behält.

In einer finanziell schwierigen Zeit trauen wir Herrn Holzwarth als erfahrene Führungskraft mit großer Verwaltungserfahrung zu, unsere Stadt durch diese herausfordernden Jahre zu führen – trotz aller inhaltlichen Differenzen, z.B. im Bereich der Stadtentwicklung oder im Verkehrsbereich.


Am Ende der Veranstaltung betonen wir, dass wir Grünen Kandidierenden, die sich ein Bürgermeisteramt in einer unserer Gemeinden vorstellen können und dafür unsere Unterstützung suchen, immer offen gegenüberstehen. Unsere politische Verantwortung als Ortsverband ist es aber auch, sich nur für jemanden einzusetzen, der nicht nur inhaltlich mit uns übereinstimmt, sondern auch die Fähigkeiten hat, dieses wichtige kommunalpolitische Amt auszuführen.

Daniel Baier, Vorsitzender Ortsverband

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