Schulneubau nicht nur ein Bauwerk
Große Entscheidungen stehen vor dem Gemeinderat. Vermutlich ist das Ganze in der Öffentlichkeit noch nicht so angekommen. Der Gemeinderat berät schon in etlichen Sitzungen das Konzept für einen Schulneubau. Zuerst wurde die Entscheidung getroffen, ob die Eichendorffschule renoviert und erhalten werden soll. Nach ausführlicher Diskussion hat sich die Mehrheit im Gemeinderat für einen Schulneubau ausgesprochen. Das weitere Nutzungskonzept für die Eichendorffschule wurde nicht beraten. Auch dies wird den Gemeinderat noch bewegen.
Nach dieser Entscheidung stand in der letzten Sitzung eine Variantenentscheidung an. Es fehlen 18 Klassenzimmer mit Nebenräumen, Ebenso ein Verwaltungstrakt.
Dazu haben die Planer 4 Varianten vorgestellt.
Zu diesem Thema gab es aus unserer Fraktion von Jürgen Rommel und Simone Kögel zwei Statements, die wir hier gerne mitteilen möchten.
Die Mehrheit im Gemeinderat hat sich für die Neubauvariante ausgesprochen. So wird die Planung nun an dieser Variante weitergehen.
Die Kosten sind enorm. Unsere Kinder, die die Schule nutzen werden, müssen diese Investition abbezahlen. Die aktuell aufgerufenen Kosten belaufen sich auf rund 46 Millionen €. (Ohne Zuschüsse).
Für die Fraktion
Karl-Heinz Jaworski
Dr. Jürgen Rommel:
„Von den vier untersuchten Varianten zur Schulentwicklung schlägt die Verwaltung die Variante 4 vor, bei der alle bestehenden Gebäude bis auf den Neubau abgerissen werden sollen. Wir haben uns zunächst mit dem Plan keines der Altgebäude weiter zu nutzen schwergetan, weil grundsätzlich Erhalt vor Neubau geht.
Hier sprechen aber die Fakten gegen den Erhalt: die Bausubstanz der Pavillons 1-3, aber auch des Hauptbaus würde eine Sanierung aufwendig und teuer machen, einzig der Pavillon 4 könnte mit überschaubarem Aufwand auf einen aktuellen Stand gebracht werden. Bezieht man außer den Baukosten auch die späteren Betriebskosten mit in Betracht (Lebenszykluskosten), so ergeben sich kaum Unterschiede zwischen den vier Varianten – in der Tendenz ist aber die Variante vier die wirtschaftlich günstigste.
Wenn die Kosten keine eindeutigen Unterschiede zeigen, werden andere Entscheidungskriterien umso wichtiger. Pädagogische und organisatorische Anforderungen an eine moderne Schule sprechen eindeutig für die Variante 4. Mit dieser Variante haben wir die einmalige Chance auf einen ‚großen
Wurf‘: eine neue Schule zu gestalten, die moderne pädagogische Konzepte optimal unterstützt, die von Schüler*innen und Lehrer*innen gerne genutzt wird und die für die Gemeinde finanziell tragbar ist. Deshalb sprechen wir uns klar für diese Variante aus und fordern die Planer dazu auf, die damit gewonnen Freiheiten sinnvoll zu nutzen.“
Dr. Simone Kögel:
„Wir als Grüne Fraktion werden uns für Variante 4 aussprechen, da es die einmalige Chance bietet, das pädagogische Konzept und das räumliche Konzept gemeinsam zu entwickeln und damit zur „Schule der Zukunft“ zu werden. Diese Schule soll damit auch ein Zeichen der Wertschätzung an unsere nachfolgenden Generationen und unsere LehrerInnen sein.
Wir vermissen allerdings erneut den Klima-Check in der Vorlage. Da wir wissen, dass nicht allen eine umfassende Betrachtung leichtfällt, möchte ich unsere Überlegungen erläutern und aufzeigen, dass unsere Entscheidung nicht im Widerspruch zu Ökologie, Klimaschutz und Nachhaltigkeit steht.
Grundsätzlich wäre die Erhaltung und Sanierung von Bestandsgebäuden sicher eine ressourcenschonende Möglichkeit.
Allerdings sehen wir mit dem Neubau und der Möglichkeit mittels innovativer Bauweisen wie z.B. Fertig-Holzbau, Holz-Hybrid-Bau, Modulbau usw. die Möglichkeit, eine für uns gut planbare, kostengünstige, ressourcenschonende und schnellere Bauweise zu wählen im Vergleich zur Sanierung.
Wir können Dämmung, Heizung, Lüftung, Klimaanlage und PV von Anfang an optimal aufeinander abstimmen und uns als Gemeinde unabhängiger von Fossilen Rohstoffen machen. Wie senken damit auch die Energie- und Unterhaltskosten bei besserer Aufenthaltsqualität.
Wir haben die Chance auf Entsiegelung von Flächen. Diese Entsiegelung wiederum kann extra gefördert werden z.B. mit der Entsiegelungsprämie vom Land BW. Sie entlastet unsere Kläranlage und die Fläche kann ökologisch aufgewertet werden. Mit einer heimischen, naturnahen Bepflanzung nach dem Beispiel von Birgit Helbig, Rosenfelder Naturnah oder ReNature Garten kann ein naturnahes Außengelände gestaltet werden, das sowohl das innerörtliche Mikroklima als auch den Hitzeschutz für unsere Schüle verbessert und die Aufenthaltsqualität des ganzen Quartiers erhöht.
Zum Artikel von Frau Dr. Kögel:
Sehr geehrte Frau Dr. Kögel,
Sie legen Wert auf ein naturnahes Außengelände, was gut und richtig ist sowohl für das Mikroklima als auch als Hitzeschutz. Was die „ Aufenthaltsqualität des ganzen Quartiers“ betrifft, sollte auch an einen wirksamen Lärmschutz gedacht werden. Stand heute kann in diesem Quartier von Aufenthaltsqualität nicht mehr die Rede sein. Der Spielplatz dient als Pausenhof und wird damit mehr oder weniger zweckentfremdet.
Die sogenannte „Schulkindbetreuung“ findet fast ausschließlich auf dem Spielplatz statt. Der eigentliche Zweck sollte sein: Zitat „Förderung und pädagogische Begleitung der Kinder vor und nach dem Unterricht, Freizeitaktivitäten (Spiel-, Kreativ -und Bewegungsangebote) und soziale Förderung…“ Was wir hier täglich beobachten, ist davon weit entfernt. Die Kinder rennen nur schreiend herum, sind oft viel zu groß für Sand, Rutsche und Babyschaukeln. Das von der Gemeinde bezahlte Aufsichtspersonal sitzt in der Regel auf der Bank und ist mit dem eigenen Handy beschäftigt. Ein pädagogisch sinnvolles Programm gibt es offensichtlich nicht.
Die Lärmbelästigung für alle Anwohner ist das eine, aber wir beobachten auch, dass Mütter mit kleinen und auch behinderten Kindern fluchtartig den Platz verlassen, sobald Schulklassen oder Kinderbetreuung „einfallen“ und für diese Familien ist der Spielplatz ja eigentlich gedacht. Denken Sie bitte an ausreichend Pausenhof für die Schüler, damit der Spielplatz wieder zu einem Ort wird, wo sich Familien mit kleinen Kindern wohlfühlen.
Mit freundlichen Grüßen
Lothar und Isolde Krüger
Liebe Frau Krüger,
lieber Herr Krüger,
mit einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität für das ganze Quartier meine ich explizit sie als Anwohner mit. Dazu gehört auch der Lärmschutz. Ich bin allerdings anders als sie der Überzeugung, dass wir Kinder mitten unter uns brauchen. Nicht auf der grünen Wiese, wie sie uns schon einem Brief mitgeteilt haben. Ein anderer Standort wurde zwar tatsächlich geprüft aber aus diversen Gründen verworfen. Ich bin darüber sehr froh. Was aber mein Anliegen ist, ist eine für Kinder und Jugendliche geeignete Außengestaltung ohne große Betonflächen. Dies wäre dann sowohl ökologisch, als auch aus Lärmschutzgründen sinnvoll. Das freie Spiel im Außenbereich wird aber in jedem Fall dazu gehören. Wie der Neubau gestaltet wird, werden wir erst im Laufe der weiteren Planungen festlegen. Ich werde Ihre Wünsche hier gerne einbringen.
MfG Simone Kögel