Grüne Waldspaziergänge II – Besitzverhältnisse

Am Samstag, dem 25. Juni 2022, gingen unsere Waldspaziergänge in die nächste Runde. Bei hochsommerlichen Temperaturen jenseits der 30 Grad starteten wir am Busbahnhhof in Winnenden. Versiegelte Flächen speichern Hitze, was sich gerade in Städten immer wieder zeigt und große Herausforderungen für die Stadtplanung der Zukunft sein werden. Wie wichtig die Wälder für das Mikroklima unserer direkten Umgebung sind, merkt man am besten, wenn man einen Waldspaziergang macht. Mit dabei war auch unsere Landtagsabgeordnete Swantje Sperling. Diesmal ging es um das Thema Besitzverhältnisse im Wald.

Pferdekoppeln nahe des Schulerhofs

Aufgrund der Sperrung der Straße beginnt die Wanderung mit einer etwas abenteuerlichen, aber gut organisierten Fahrt mit dem Bus nach Höfen und einem Umstieg auf einen Kleinbus der uns zum Schulerhof unterhalb von Bürg brachte. Von dort ging es in schnellen Schritten vorbei an Pferdekoppeln zum Waldrand in Richtung Gießübel und die kühlende Wirkung setze sofort ein, so dass wir mit einem kurzen Bericht zu den Besitzverhältnissen im Wald starten konnten.

Gruppenbild

Der Waldbesitz in Baden-Württemberg verteilt sich auf drei nennenswerte Besitzer. Zum einen die Kommunen und Körperschaften mit 40% als größter Besitzer, gefolgt von den Privatwäldern mit 35,9% und als drittes der Wald in Landesbesitz mit 23,6%. Durchschnittlich hat eine Gemeinde in Baden-Württemberg 500 Hektar Wald. Die waldreichste Gemeinde in unserem Ortsverband ist Berglen und liegt damit landesweit doch nur im Durchschnitt. Der Wald im Besitz des Bundes ist mit 0,5% vernachlässigbar.

Während für kommunale Wälder und Landeswälder Entscheidungen zentral zur Bewirtschaftung festgelegt werden können und hier auch politische Entscheidungen getroffen werden, ist es beim Waldbesitz interessant über die Arten und die Bewirtschaftung im Privatwald zu sprechen. In Baden-Württemberg geht es hier um beinahe 500.000 Hektar. Die Fortswirtschaft legt folgende Arten von Privatwald fest:

  • Kleinstprivatwald (Größe: unter 5 Hektar)
  • Kleinprivatwald (Größe: 5 – 200 Hektar)
  • mittlerer Privatwald (Größe: 200 – 1.000 Hektar)
  • Großprivatwald

In Baden-Württemberg sind die größten, privaten Waldbesitzenden Adelshäuser wie die Hohenzollern oder das Haus Württemberg. Auch der Wald zwischen Bürg und Winnenden ist im Besitz des Hauses Württemberg. Mit 70% Nadelholzanteil am Bestand ist das Hofkammergut nicht gut auf die Veränderungen durch den Klimawandel vorbereitet und wir verstehen nicht, warum am Rand des Buchenbächles vor wenigen Jahren erneut Fichten gepflanzt wurden.

Naturdenkmal Auwald am Buchenbächle

Weiter ging es von dort entlang des teilweise durch Pflanzungen geschädigten Bach, teilweise aber auch durch junge Erlenwälder auf sumpfigen Grund bis zum Naturdenkmal des kleinen Auwalds, der auch im Juni noch diesen intensiven Bärlauchgeruch ausstößt. Der ganze Bachverlauf ist bereits als Waldbiotop geschützt – angesichts der immer noch nicht standortgerechten Bewirtschaftung wäre ein höherer Schutzstatus wünschenswert.

Durch Streuobstwiesen führte unser Weg zurück in Richtung Bürg. Vorbei ging es dabei an einem unscheinbaren Schild: Das Flurstück heißt Otterhäule. Noch bis ins 19. Jahrhundert lebten entlang des Buchenbächles Fischotter, die dann manchmal auf dem Markt zum Kauf angeboten wurden. Heute beinahe unvorstellbar – gilt der Fischotter doch seit mehr als 100 Jahren als ausgestorben, selbst wenn einzelne Beobachtungen Hoffnung auf Rückkehr dieses faszinierenden Tiers in Baden-Württemberg machen. In Winnenden werden wir dies wohl nicht mehr erleben, zu dicht ist unsere Gegend bereits besiedelt.

Nach dem Aufstieg auf den Gießübel sehen wir viele kleine Waldstücke, die in Privatbesitz sind und oft noch zur Brennholzgewinnung genutzt werden. Eine Erkenntnis unseres heutigen Spaziergangs war es, dass es ganz unterschiedliche Formen von Waldbesitz gibt und die Bewirtschaftung und Nutzung oft stark davon abhängig ist, wem er gehört.

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